In der vergangenen Woche haben die führenden Köpfe der Europäischen Zentralbank (EZB) wieder einmal getagt und über den Leitzins beraten. Hierbei kamen sie zum Entschluss, dass kein Handeln erforderlich ist. Infolge wurde der Leitzins bei seinem Wert von 0,75 Prozent belassen.

Alles in allem ist diese Entscheidung sehr positiv zu beurteilen, denn somit beruhigt die Zentralbank die Märkte. Eine Senkung hätte für zahlreichen Diskussionsstoff gesorgt – und in Anbetracht der aktuellen Situation in Europa wäre eine Leitzinserhöhung kaum denkbar gewesen.

Ein Leitzins von 0,75 Prozent ist extrem niedrig. Ob man dies nun positiv oder negativ bewertet, hängt ganz davon ab, ob man potentieller Kreditnehmer oder Anleger ist. Für Kreditnehmer könnte die Situation kaum besser sein. Die Zinsentwicklung der vergangenen Jahre hat dazu führt, dass Kredite deutlich günstiger geworden sind. Diese Entwicklung betrifft letztlich alle Bereiche. Im Grunde spielt es keine Rolle, ob man eine Baufinanzierung abschließen oder lediglich einen kleinen Ratenkredit aufnehmen möchte. Alle Darlehen sind spürbar günstiger geworden, wodurch die Haushaltskassen der Kreditnehmer entlastet werden.

Selbst diejenigen, die schon finanziert hatten, können profitieren. Teure Kredite lassen sich zum Beispiel günstig umschulen. Bei der Immobilienfinanzierung ist es ohnehin üblich, dass man am Ende der Zinsbindung zu neuen Konditionen weiterfinanziert.

Anleger haben hingegen wenig Grund zur Freude. Die Infaltion zieht an, doch die Zinsen sind gleichzeitig gesunken. Dementsprechend sind die Ersparnisse nicht besonders gut geschützt. Ganz im Gegenteil: Sie können sogar an Wert verlieren. Infolge müssen niedrigere Renditen oder gar ein Verlust der Kaufkraft in Kauf genommen werden. Alternativ wäre es möglich, auf Anlageformen mit höherem Risiko auszuweichen – allerdings drohen dann Verluste.


 

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