Receipts With Calculator And Money

Die Mehrheit der Bauherren und Käufer entscheidet sich für ein Immobiliendarlehen mit Zinsbindung. Allerdings ist dies nicht die einzige Darlehensvariante, die zur Baufinanzierung zur Verfügung steht. Eine weitere Variante ist das variable Darlehen, das vor allem im Ausland sehr verbreitet ist. Mittlerweile ist auch bei uns in Deutschland ein gestiegenes Interesse an dieser Form der Finanzierung festzustellen.

Grund für das Interesse sind vor allem die niedrigen Darlehenszinsen. Im Vergleich zu einem Darlehen mit Zinsbindung liegt der Zinssatz ein wenig niedriger. Doch selbst ein Zinsvorteil von bis zwei Zehntel Prozent kann unter Berücksichtigung von Darlehenssumme und Laufzeit zu einer großen Ersparnis führen. Außerdem hätte es sich für zahlreiche Darlehensnehmer gelohnt, in den vergangenen Jahren variabel zu finanzieren. Meist hätten sie aufgrund der Zinsentwicklung bares Geld gespart.

Fehlende Kalkulationssicherheit bei Immobiliendarlehen mit variablem Zins

Dennoch möchten wir im Allgemeinen von variablen Immobiliendarlehen abraten. Die meisten Darlehensnehmer sind in der Tat gut damit beraten, sich für eine Zinsbindung entscheiden. Grund dafür ist die weitaus höhere Kalkulationssicherheit. Bereits bei Vertragsunterschrift ist gewiss, dass sich der Darlehenszins für längere Zeit nicht ändern wird. So ist die genaue Ratenhöhe stets absehbar.

Beim variablen Immobiliendarlehen ist dies nicht der Fall. Der Zinssatz ist variabel, d.h. er wird unter Berücksichtigung der Marktentwicklung angepasst. Je nach Bank findet die Anpassung monatlich oder quartalsweise statt. Genau hiermit geht ein großes Risiko einher. Womöglich ist die Darlehensrate bei Vertragsunterzeichnung mühelos tragbar. Doch sollten die Marktzinsen anziehen, steigt auch die Monatsrate. Unter Umständen wird es dann für den Darlehensnehmer richtig eng oder im schlimmsten Fall kann er die Finanzierung nicht mehr tragen.

Genau diese Finanzierungsform ist übrigens der Grund für die Finanzkrise in den USA. Nahezu alle Eigentümer hatten auf variable Darlehen gesetzt. Weil die Marktzinsen anzogen, wurden die Raten immer teurer. Plötzlich befanden sich Millionen Amerikaner nicht mehr in der Lage, ihre Darlehen zu bedienen. Der gesamte Markt platzte und die Banken mussten Milliardenverluste verzeichnen.

Wann die Darlehensaufnahme sinnvoll sein kann

Allerdings möchten wir nicht den Eindruck erwecken, Immobiliendarlehen mit variabler Verzinsung seien prinzipiell eine schlechte Wahl. In bestimmten Fällen kann es durchaus sinnvoll sein, sich für diese Finanzierungsvariante zu entscheiden.

Ein sehr gutes Beispiel ist die Finanzierung von Baugrundstücken. Oft geht es zunächst einmal darum, den Grund und Boden zu erwerben. Wer hierfür ein Darlehen mit Zinsbindung aufnimmt, begibt sich leicht in die Abhängigkeit einer Bank. Meist bleibt keine andere Wahl, als das gesamte Bauvorhaben im Anschluss über dieselbe Bank zu finanzieren. Es besteht keine Möglichkeit mehr, Konditionsunterschiede der Banken zum eigenen Vorteil zu nutzen. Ein variables Darlehen verschafft Abhilfe, der Grundstücksbesitzer kann die bestehende Finanzierung jederzeit ablösen und sein gesamtes Bauvorhaben komplett neu finanzieren.

Ebenso bieten sich variable Darlehen an, wenn ein Darlehensnehmer vermögensstark ist und zugleich flexibel bleiben möchte. So kommt es z.B. gelegentlich vor, dass vermögende Immobilienkäufer ihr Kapital nicht für den Immobilienerwerb einsetzen, sondern lieber in Aktien oder andere Vermögenswerte investieren. So bleiben sie flexibel und haben die Möglichkeit, ihr variables Darlehen immer noch in eine Finanzierung mit Zinsbindung zu wandeln oder es schlichtweg abzulösen.

 

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