Dass die Handwerker nicht immer einwandfrei arbeiten, ist allgemein bekannt. Schließlich ist in den meisten Fällen der Mensch selbst die Ursache für einen auftretenden Baumangel. Aber auch wenn die Mitarbeiter eines Handwerksbetriebes nach dem anerkannten Stand der Technik gearbeitet haben, kann diese an sich fehlerlose Arbeit Grund einer Beanstandung sein. Schließlich definiert sich der Begriff Baumangel nicht nur über die grobe Fahrlässigkeit während der Bautätigkeit, sondern über eine Abweichung von der geschuldeten Leistung. War für den Außenanstrich laut der Leistungsbeschreibung etwa ein Weinrot vorgesehen – nach dem Abzug der Maler präsentiert sich die Fassade aber in einem Himmelblau – so liegt hier eindeutig ein Baumangel vor.

Wer als zukünftiger Eigenheimbesitzer vor einem solchen Szenario Angst hat, kann beruhigt wieder aufatmen. Der Bundesgerichtshof hat in einem Urteil die Rechte der Bauherren gegenüber den Handwerksbetrieben maßgeblich gestärkt. In dem Verfahren drehte es sich um den Rechtsstreit zwischen einem Trockenbauunternehmen und dem Besitzer einer Immobilie. Die Baufirma hat dem Nachbesserungswunsch des Hausbesitzers mit der Begründung widersprochen, dass die Forderung unverhältnismäßig sei, da die Arbeiten dem Stand der Technik entsprachen. Allerdings hat der Bundesgerichtshof die Sachlage ein wenig anders eingeschätzt. Denn wenn eine höherwertige Leistung im Vertrag versprochen wird, muss diese auch erbracht werden.

Damit stehen die Mängelbeseitigungsansprüche der Bauherren auf einer wesentlich solideren Basis. Schließlich schlagen sich Verzögerungen auf dem Bau und langwierige Rechtsstreitigkeiten immer auf der Kostenseite nieder. Und dies kann die Baufinanzierung durchaus ins Wanken bringen, da diese in der Regel nur mit einem begrenzten Spielraum kalkuliert wurde. Ein teurer Baustopp kann auf diese Weise ein neues Darlehen notwendig machen oder bedeutet für so manchen Finanzierungskunden sogar das Ende eines Traumes.


 

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