Solange der Darlehensvertrag nicht unterzeichnet ist, hat die Zinsentwicklung großen Einfluss auf die Kosten der Baufinanzierung. Fallen die Hypothekenzinsen, wird es günstiger – steigende Zinsen verteuern das Darlehen. Viele angehende Darlehensnehmer fragen sich daher, ob sie ihre Finanzierung festzurren oder mit dem Darlehensabschluss noch warten sollen.
Mit unserer Zinsprognose bieten wir Bauherren, Käufern und Anschlussfinanzierern eine Entscheidungshilfe. Lesen Sie nachfolgend, wie wir die Entwicklung der Zinsen für Baufinanzierungen im Jahr 2025 einschätzen.
Ein kurzer Rückblick
Die erste Jahreshälfte 2025 war durch eine Phase des leichten Zinsanstiegs geprägt. Insgesamt erfuhr der Immobilienmarkt eine spürbare Belebung, sowohl beim Erwerb von Bestandsimmobilien als auch im Bereich der Anschlussfinanzierung. Im Vergleich zu den Vorjahren ist 2025 bislang deutlich aktiver, was das Finanzierungsvolumen betrifft.
Zinsausblick für die zweite Jahreshälfte 2025
Die Frage, ob die Hypothekenzinsen in der zweiten Jahreshälfte stabil bleiben oder sich erneut verändern werden, beschäftigt derzeit viele Immobilieninteressierte. Eine entscheidende Rolle spielt dabei nach wie vor die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone. Insbesondere die Inflationsdynamik und das Wachstum im Euroraum beeinflussen die geldpolitischen Entscheidungen der EZB und damit auch die Zinslandschaft.
Im Folgenden erläutern wir, welche Faktoren aktuell von Bedeutung sind.
Aktuelle Herausforderungen für die europäische Wirtschaft
Zwar hat sich die Konjunktur in Europa leicht erholt, doch das Wachstum bleibt fragil. Die Auswirkungen der geopolitischen Spannungen – etwa durch anhaltende Handelskonflikte und Unsicherheiten im Energiemarkt – bremsen die wirtschaftliche Dynamik. Gleichzeitig wirken die Zinssenkungen der EZB nur verzögert auf Investitionen und Konsum.
Die Teuerungsrate hat sich in vielen Ländern zwar zurückgebildet, bleibt aber in einzelnen Bereichen – insbesondere bei Dienstleistungen und Mieten – erhöht. Das erschwert die geldpolitische Gratwanderung: Einerseits muss die EZB eine stabile Preisentwicklung sichern, andererseits die wirtschaftliche Erholung nicht abwürgen.
Handlungsspielraum der Europäischen Zentralbank
Im ersten Halbjahr 2025 hat die EZB mehrere Leitzinssenkungen vorgenommen und damit signalisiert, dass sie auf die konjunkturelle Lage reagiert. Für die zweite Jahreshälfte erwarten die meisten Beobachter vorerst keine weiteren Zinsschritte. Stattdessen dürfte die EZB abwarten, wie die bereits getroffenen Maßnahmen wirken.
Über den Autor
Matthias Herold ist Geschäftsführer und Mitgründer der abakus24 Service GmbH. Er ist Experte für Immobilienfinanzierungen und hat ein gutes Gespür für Immobilienmarkt und Zinsniveau. Auch als Bauherr weiß er, worauf es bei der Finanzierung und der Ausführung von Immobilienbau- oder kaufvorhaben ankommt. Im Zinskommentar teilt er seine Einschätzungen zu Geldpolitik und Zukunft der Hypothekenzinsen, um angehende Darlehensnehmer bei ihrer Entscheidung zu unterstützen.
Ein weiterer Zinsschritt nach unten wäre zwar denkbar, würde aber nur erfolgen, wenn sich die konjunkturellen Aussichten erneut eintrüben oder die Inflation deutlicher als prognostiziert sinkt. Zinserhöhungen sind aktuell hingegen kaum ein Thema, denn es fehlt an ausreichend starker Inflation und wirtschaftlicher Überhitzung.
Unsere Empfehlung für angehende Darlehensnehmer
Für die zweite Jahreshälfte 2025 erwarten wir ein relativ stabiles Zinsniveau. Je nach wirtschaftlicher Entwicklung könnte es vereinzelt zu kleineren Korrekturen in beide Richtungen kommen. Ein deutlicher Zinsanstieg erscheint jedoch derzeit unwahrscheinlich.
Wer eine Finanzierung plant, sollte die aktuellen Konditionen nutzen, um sich langfristige Zinssicherheit zu sichern. Zehn- oder fünfzehnjährige Zinsbindungen bieten derzeit attraktive Bedingungen und ermöglichen eine verlässliche Kalkulation für die kommenden Jahre.
Gerade jetzt lohnt sich ein intensiver Zinsvergleich. Die Unterschiede zwischen den Anbietern sind nach wie vor erheblich. Unsere Finanzierungsspezialisten unterstützen Sie gerne dabei, das passende Angebot für Sie zu finden – maßgeschneidert und transparent.
Diese Faktoren beeinflussen die Bauzinsen am meisten
Es gibt nicht einen Faktor, der allein über die Zinsentwicklung im Feld der Baufinanzierung entscheidet. Es existieren mehrere Einflussgrößen, die das Zinsniveau steuern.
- Bundesanleihen
Am stärksten ähnelt dem Zinsverlauf des Baugeldes die Entwicklung der Renditen für Bundesanleihen. Steigen die Zinsen für Anleihen der BRD, wird auch das Baugeld teurer. Fallen die Anleihezinsen, profitieren Bauherren und Immobilienkäufer. - EZB-Leitzins
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat großen Einfluss auf das Niveau der Zinsmärkte. Mit dem Leitzins legt sie die Marschrichtung fest und kontrolliert das Marktgeschehen. Allerdings sind die Hypothekenzinsen nicht 1:1 an den EZB-Leitzins gekoppelt, Abweichungen im Verlauf vom Zinschart treten regelmäßig auf. - Konjunktur
Die wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst die Zinspolitik der Notenbanken. Je schwächer die Konjunktur, desto eher senken Notenbanken die Leitzinsen ab, um die Wirtschaft zu stimulieren. Eine boomende Wirtschaft kann wiederum zu einem Zinsanstieg führen. - Inflation
Eine wichtige Aufgabe der Notenbanken besteht darin, die Inflation unter Kontrolle zu halten. Dies geschieht durch Steuerung der Geldmenge, die wiederum vom Leitzins beeinflusst wird. - Wohnungsmarkt & Nachfrageverhalten
Auf das allgemeine Zinsniveau hat das Nachfrageverhalten (Bedarf an Baufinanzierungen) wenig Einfluss, weil die Banken theoretisch unbegrenzt gegenfinanzieren können. Trotzdem ist der Einfluss nicht zu unterschätzen, denn je geringer der Finanzierungsbedarf am Markt ist, desto eher sind die Banken zur Absenkung ihrer Margen bereit, was Darlehensnehmern zu besseren Zinskonditionen verhilft. - Black Swan Ereignisse
Unvorhersehbare Ereignisse, wie z.B. die Corona-Pandemie oder der Ukraine-Krieg, können die Wirtschaft schlagartig und umfassend beeinflussen. Gravierende Auswirkungen auf die Zinsmärkte sind mögliche Folgen.
Interessant zu wissen
Keinem anderen Wert kam der Zinsverlauf der Hypothekendarlehen so nahe, wie der DGZF-Pfandbriefkurve. 2016 wurde der Indexwert wegen nachlassendem Handelsvolumen der Pfandbriefe jedoch eingestellt.
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