Solange der Darlehensvertrag nicht unterzeichnet ist, hat die Zinsentwicklung großen Einfluss auf die Kosten der Baufinanzierung. Fallen die Hypothekenzinsen, wird es günstiger – steigende Zinsen verteuern das Darlehen. Viele angehende Darlehensnehmer fragen sich daher, ob sie ihre Finanzierung festzurren oder mit dem Darlehensabschluss noch warten sollen.
Mit unserer Zinsprognose bieten wir Bauherren, Käufern und Anschlussfinanzierern eine Entscheidungshilfe. Lesen Sie nachfolgend, wie wir die Entwicklung der Zinsen für Baufinanzierungen im Jahr 2026 einschätzen.
Ein kurzer Rückblick
Das Jahr 2025 war insgesamt durch eine Phase moderat steigender Zinsen geprägt. Nach einer volatilen ersten Jahreshälfte stabilisierten sich diese im Herbst auf einem höheren Niveau. Der Immobilienmarkt verzeichnete über das gesamte Jahr hinweg eine deutliche Belebung, sowohl beim Kauf von Bestandsimmobilien als auch im Bereich der Anschlussfinanzierungen. Im Vergleich zu den Vorjahren war 2025 wesentlich aktiver, was sich in einem spürbar gestiegenen Gesamtfinanzierungsvolumen widerspiegelte.

Zinsausblick für das Jahr 2026
Wir erwarten für das Jahr 2026 eine Seitwärtsbewegung und damit ein relativ stabiles Zinsniveau. Je nach wirtschaftlicher und geopolitischer Entwicklung können kleinere Korrekturen in beide Richtungen auftreten. Einen deutlichen Zinsrückgang oder einen erheblichen Zinsanstieg halten wir jedoch für unwahrscheinlich.
Begründung unserer Zinseinschätzung
Die entscheidenden Einflussgrößen im Jahr 2026 sind geopolitische Entwicklungen, die Situation an den Rohstoffmärkten sowie strukturelle Probleme im Baugewerbe. Diese Faktoren beeinflussen sowohl die Inflation als auch die Kapitalmärkte und wirken sich somit indirekt auf die Konditionen für Immobilienkredite aus.
Im Folgenden zeigen wir, welche Themen aktuell besonders wichtig sind.
Geopolitische Einflüsse auf das Zinsniveau
Ein zentraler Faktor ist die globale Rohstoffsituation, die durch die politischen Veränderungen in Venezuela eine neue Dynamik erhalten hat. Sollte eine Marktöffnung Venezuelas zu einem steigenden Ölangebot führen, würde dies den Inflationsdruck in Europa spürbar mindern und der Notenbank den nötigen Spielraum geben, das Zinsniveau stabil zu halten oder moderat nach unten zu korrigieren.
Über den Autor
Matthias Herold ist Geschäftsführer und Mitgründer der abakus24 Service GmbH. Er ist Experte für Immobilienfinanzierungen und hat ein gutes Gespür für Immobilienmarkt und Zinsniveau. Auch als Bauherr weiß er, worauf es bei der Finanzierung und der Ausführung von Immobilienbau- oder kaufvorhaben ankommt. Im Zinskommentar teilt er seine Einschätzungen zu Geldpolitik und Zukunft der Hypothekenzinsen, um angehende Darlehensnehmer bei ihrer Entscheidung zu unterstützen.
Allerdings wirken die anhaltenden geopolitischen Spannungen, insbesondere die Situation in der Ukraine und auf Grönland, dieser Entwicklung entgegen. Die notwendigen Ausgaben der Staaten für Sicherheit und Infrastruktur führen zu einer erhöhten Neuverschuldung, was die Renditen für Staatsanleihen auf einem vergleichsweise hohen Niveau festigt. Da sich die Konditionen für Immobilienkredite eng an diesen Marktrenditen orientieren, ist ein deutliches Absinken der Bauzinsen eher unwahrscheinlich.
Fachkräftemangel im Baugewerbe
Der anhaltende Mangel an qualifizierten Arbeitskräften im Baugewerbe treibt die Baukosten weiter in die Höhe. Er sorgt dafür, dass der Neubau trotz stabiler Zinsen hinter den Erwartungen zurückbleibt. Somit bleibt der Druck auf den Bestand sowie die Nachfrage nach entsprechenden Finanzierungen hoch. Durch diese baubedingte Inflation entsteht ein Aufwärtsdruck, der ein Absinken der Hypothekenzinsen zusätzlich erschwert.
Trends bei der Finanzierungsgestaltung in Deutschland
Die aktuelle Marktsituation führt bei vielen Haushalten zu neuen Verhaltensweisen bei der Aufnahme von Darlehen. Dies macht sich insbesondere bei der Zinsbindung und den monatlichen Raten bemerkbar.
Wahl der Zinsbindung
Aufgrund der gestiegenen Zinsen hat die Risikobereitschaft der Darlehensnehmer zugenommen. Obwohl die aktuellen Zinssätze historisch gesehen immer noch günstig sind, entscheiden sich Bankkunden vermehrt für kürzere Zinsbindungszeiträume.

Höhe der Darlehensaufnahme
Die Baukosten und Immobilienpreise steigen. Deshalb nehmen Bauherren und Käufer trotz gestiegener Zinsen wieder größere Darlehensbeträge auf.

Entwicklung der Monatsrate
Steigende Zinsen und Darlehenssummen spiegeln sich in den Darlehensraten wieder. Die durchschnittliche Monatsrate bei Erstfinanzierungen belief sich Anfang 2026 auf 1.105 Euro.

Unsere Empfehlung für angehende Darlehensnehmer
Im gegenwärtigen Zinsumfeld ist Planungssicherheit wichtiger als spekulatives Abwarten. Wer eine Finanzierung plant, sollte die aktuellen Konditionen nutzen, um für langfristige Zinssicherheit zu sorgen. Zehn- oder fünfzehnjährige Zinsbindungen bieten derzeit attraktive Bedingungen und ermöglichen eine verlässliche Kalkulation für die kommenden Jahre.
Gerade jetzt lohnt sich ein intensiver Zinsvergleich. Die Unterschiede zwischen den Darlehenskonditionen sind je nach Anbieter erheblich. Unsere Finanzierungsspezialisten unterstützen Sie gerne dabei, das passende Angebot zu finden – maßgeschneidert und transparent.
Diese Faktoren beeinflussen die Bauzinsen am meisten
Es gibt nicht einen Faktor, der allein über die Zinsentwicklung im Feld der Baufinanzierung entscheidet. Es existieren mehrere Einflussgrößen, die das Zinsniveau steuern.
- Bundesanleihen
Am stärksten ähnelt dem Zinsverlauf des Baugeldes die Entwicklung der Renditen für Bundesanleihen. Steigen die Zinsen für Anleihen der BRD, wird auch das Baugeld teurer. Fallen die Anleihezinsen, profitieren Bauherren und Immobilienkäufer. - EZB-Leitzins
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat großen Einfluss auf das Niveau der Zinsmärkte. Mit dem Leitzins legt sie die Marschrichtung fest und kontrolliert das Marktgeschehen. Allerdings sind die Hypothekenzinsen nicht 1:1 an den EZB-Leitzins gekoppelt, Abweichungen im Verlauf vom Zinschart treten regelmäßig auf. - Konjunktur
Die wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst die Zinspolitik der Notenbanken. Je schwächer die Konjunktur, desto eher senken Notenbanken die Leitzinsen ab, um die Wirtschaft zu stimulieren. Eine boomende Wirtschaft kann wiederum zu einem Zinsanstieg führen. - Inflation
Eine wichtige Aufgabe der Notenbanken besteht darin, die Inflation unter Kontrolle zu halten. Dies geschieht durch Steuerung der Geldmenge, die wiederum vom Leitzins beeinflusst wird. - Wohnungsmarkt & Nachfrageverhalten
Auf das allgemeine Zinsniveau hat das Nachfrageverhalten (Bedarf an Baufinanzierungen) wenig Einfluss, weil die Banken theoretisch unbegrenzt gegenfinanzieren können. Trotzdem ist der Einfluss nicht zu unterschätzen, denn je geringer der Finanzierungsbedarf am Markt ist, desto eher sind die Banken zur Absenkung ihrer Margen bereit, was Darlehensnehmern zu besseren Zinskonditionen verhilft. - Black Swan Ereignisse
Unvorhersehbare Ereignisse, wie z.B. die Corona-Pandemie oder der Ukraine-Krieg, können die Wirtschaft schlagartig und umfassend beeinflussen. Gravierende Auswirkungen auf die Zinsmärkte sind mögliche Folgen.
Interessant zu wissen
Keinem anderen Wert kam der Zinsverlauf der Hypothekendarlehen so nahe, wie der DGZF-Pfandbriefkurve. 2016 wurde der Indexwert wegen nachlassendem Handelsvolumen der Pfandbriefe jedoch eingestellt.
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