Zinsentwicklung bei der Baufinanzierung – Unsere Prognose für 2022 (Update)

Solange der Darlehensvertrag nicht unterzeichnet ist, hat die Zinsentwicklung großen Einfluss auf die Kosten der Baufinanzierung. Fallen die Hypothekenzinsen, wird es günstiger – steigende Zinsen verteuern das Darlehen. Viele angehende Darlehensnehmer fragen sich daher, ob sie ihre Finanzierung festzurren oder mit dem Darlehensabschluss noch warten sollen.

Mit unserer Zinsprognose bieten wir Bauherren, Käufern und Anschlussfinanzierern eine Entscheidungshilfe. Lesen Sie nachfolgend, wie wir die Entwicklung der Hypothekenzinsen im Jahr 2022 einschätzen.

Zinsentwicklung bei der Baufinanzierung – Unsere Prognose für 2022 (Update)

Faktor 1: Krieg in der Ukraine

Der Einmarsch Rußlands in die Ukraine ist von enormer wirtschaftlicher Tragweite. In weiten Teilen der Welt hat er zu einem gravierenden Anstieg der Preise geführt, die gegenwärtige Inflationsrate ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht.

Faktor 2: Verhalten der Notenbanken

Die größte Veränderung ist im Feld der internationalen Zinspolitik festzustellen. Häufiger und lautstärker denn je sprechen sich Politiker sowie Vertreter der Notenbanken für Zinserhöhungen aus, weil diese Maßnahme als Instrument zur Bekämpfung der Inflation gilt. Führende Ökonomen gehen davon aus, dass sowohl die europäische Zentralbank (EZB) als auch die US-amerikanische Federal Reserve (FED) im Jahresverlauf die Leitzinsen erhöhen.

Faktor 3: Bedarf an Wohnimmobilien

Entgegen der Vermutung zahlreicher Bauherren und Käufer haben sich Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg bislang nur geringfügig auf den Immobilienmarkt in Deutschland ausgewirkt. Ein Einbruch der Nachfrage ist nicht festzustellen. Wohneigentum ist weiterhin gefragt, in vielen Regionen übersteigt die Nachfrage das Angebot. Eine Änderung ist nicht in Sicht, Häuser und Wohnungen zur Eigennutzung bleiben äußerst begehrt.

Faktor 4: Wettbewerb zwischen den Banken

Eine hohe Nachfrage nach Wohneigentum bedeutet gleichermaßen ein starkes Interesse an Immobilienfinanzierungen. Die Auslastung der Banken spiegelt dies wieder, die Geldinstitute haben alle Hände voll zu tun. Entsprechend hält sich der Wettbewerbsdruck und damit die Bereitschaft zur Absenkung der Margen in Grenzen. In anderen Worten: Für die Banken gibt es derzeit keinen Grund, ihre Margen (und damit indirekt die Hypothekenzinsen) zu senken.

Zinsausblick für das Jahr 2022

Die Nachfrage nach Baufinanzierungen ist weiterhin hoch, bei einem zugleich geringen Wettbewerbsdruck zwischen den Banken. Doch vor allem aufgrund des Ukraine-Kriegs haben die Hypothekenzinsen in den ersten Monaten des Jahres spürbar angezogen. Im Zeitraum von Januar bis Mai sind die Zinsen für Hypothekendarlehen mit 10-jähriger Zinsbindung um ca. 1,25 Prozent gestiegen. Die langjährige Phase anhaltend fallender Hypothekenzinsen wurde damit schlagartig beendet.

Über den Autor

Matthias Herold ist Geschäftsführer und Mitgründer der abakus24 Service GmbH. Er ist Experte für Immobilienfinanzierungen und hat ein gutes Gespür für Immobilienmarkt und Zinsniveau. Auch als Bauherr weiß er, worauf es bei der Finanzierung und der Ausführung von Immobilienbau- oder kaufvorhaben ankommt. Im Zinskommentar teilt er seine Einschätzungen zu Geldpolitik und Zukunft der Hypothekenzinsen, um angehende Darlehensnehmer bei ihrer Entscheidung zu unterstützen.

In der internationalen Zinspolitik wird augenblicklich die Zinswende vollzogen. Auch die EZB wird voraussichtlich mehrfach an der Zinsschraube drehen. Angehende Darlehensnehmer sollten sich jedoch nicht verunsichern lassen, denn allzu stark können die Notenbanken nicht an der Zinsschraube drehen. Solch eine Maßnahme würde einzelne EU Volkswirtschaften zu sehr gefährden und womöglich zu einer Stagflation führen. Außerdem hat es den Anschein, als ob bevorstehende Erhöhungen des EZB Leitzinses in den Darlehenszinsen bereits vorweggenommen wurden.

Unsere Empfehlung für angehende Darlehensnehmer

Die Zinsen haben kräftig angezogen, sind historisch gesehen aber immer noch sehr günstig. Wer am Zug ist und sich eine Finanzierung für das laufende Jahr sichern möchte, sollte daher nicht zögern. Frühes Handeln erscheint im Hinblick auf einen möglich anhaltenden Zinsanstieg als empfehlenswert.

Noch wichtiger ist es jedoch, die Konditionen einzelner Banken zu vergleichen. Je nach Geldinstitut können für denselben Darlehensbetrag höchst unterschiedliche Zinssätze gefordert werden. Wer clever ist und den Markt durchleuchtet, kann einen erheblichen Zinsvorteil und damit eine satte Ersparnis bei der Immobilienfinanzierung erzielen.

Hierbei leisten wir gerne Unterstützung. Unsere Berater arbeiten für Sie ein maßgeschneidertes Finanzierungskonzept aus, um anschließend die aktuellen Darlehenskonditionen von über 600 Finanzierungspartnern auszuwerten. Dies ist der zielsichere Weg zu einer günstigen Baufinanzierung. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!

Diese Faktoren beeinflussen die Bauzinsen am meisten

Es gibt nicht einen Faktor, der allein über die Zinsentwicklung im Feld der Baufinanzierung entscheidet. Es existieren mehrere Einflussgrößen, die das Zinsniveau steuern.

  • Bundesanleihen
    Am stärksten ähnelt dem Zinsverlauf des Baugeldes die Entwicklung der Renditen für Bundesanleihen. Steigen die Zinsen für Anleihen der BRD, wird auch das Baugeld teurer. Fallen die Anleihezinsen, profitieren Bauherren und Immobilienkäufer.
  • EZB-Leitzins
    Die Europäische Zentralbank (EZB) hat großen Einfluss auf das Niveau der Zinsmärkte. Mit dem Leitzins legt sie die Marschrichtung fest und kontrolliert das Marktgeschehen. Allerdings sind die Hypothekenzinsen nicht 1:1 an den EZB-Leitzins gekoppelt, Abweichungen im Verlauf vom Zinschart treten regelmäßig auf.
  • Konjunktur
    Die wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst die Zinspolitik der Notenbanken. Je schwächer die Konjunktur, desto eher senken Notenbanken die Leitzinsen ab, um die Wirtschaft zu stimulieren. Eine boomende Wirtschaft kann wiederum zu einem Zinsanstieg führen.
  • Nachfrageverhalten
    Auf das allgemeine Zinsniveau hat das Nachfrageverhalten (Bedarf an Baufinanzierungen) wenig Einfluss, weil die Banken theoretisch unbegrenzt gegenfinanzieren können. Trotzdem ist der Einfluss nicht zu unterschätzen, denn je geringer der Finanzierungsbedarf am Markt ist, desto eher sind die Banken zur Absenkung ihrer Margen bereit, was Darlehensnehmern zu besseren Zinskonditionen verhilft.
  • Black Swan Ereignisse
    Unvorhersehbare Ereignisse, wie z.B. die Corona-Pandemie oder der Ukraine-Krieg, können die Wirtschaft schlagartig und umfassend beeinflussen. Gravierende Auswirkungen auf die Zinsmärkte sind mögliche Folgen.

Interessant zu wissen

Keinem anderen Wert kam der Zinsverlauf der Hypothekendarlehen so nahe, wie der DGZF-Pfandbriefkurve. 2016 wurde der Indexwert wegen nachlassendem Handelsvolumen der Pfandbriefe jedoch eingestellt.

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